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Homo Performance
Wenn Gesellschaften Menschen nicht mehr als eigenständige Persönlichkeiten mit Bedürfnissen, Wünschen und Befürchtungen anerkennen, sondern sie auf Mittel zur Erfüllung abstrakter wirtschaftlicher Ziele reduzieren, verschiebt sich das Menschenbild schrittweise. Wenn Menschen vor allem nach ihrem ökonomischen Nutzen bewertet und andere, die „weniger nützlich“ sind, systematisch abgewertet werden, entsteht eine einfache Logik: Wer nicht funktioniert, gehört nicht dazu. Wer fu
Katja Paar


Lernen
Santiago Ramón y Cajal wollte in den 1870er Jahren eigentlich Künstler werden, aber sein Vater zwang ihn zum Medizinstudium. Er machte Nervenzellen sichtbar, indem er sie mit Silbernitrat einfärbte und erkannte dabei, dass Neuronen individuelle Zellen sind, die über Kontaktstellen (später: Synapsen) miteinander kommunizieren. Seine mikroskopischen Studien des Nervensystems legten die Grundlage der heutigen Neurobiologie und seine Nervenzellenzeichnungen zählen zu den wichtigs
Katja Paar


Es ist kompliziert.
Und wir machen es uns zu einfach. Wenn wir von anderen fordern, genauer hinzuschauen, dann muss das auch für uns selbst gelten. Aber je mehr wir uns mit einem Thema beschäftigen, desto offensichtlicher und vielschichtiger werden Details und Hintergründe und desto schwieriger wird es auch, zu entscheiden, wo oder ob überhaupt wir uns positionieren können. Im Zweifelsfall greifen wir dann zu Wahrscheinlichkeiten, die unserem Glaubensgerüst (von dem viele denken, es sei ein Wi
Katja Paar


Konsent-Entscheidungen
Dauert das nicht zu lange, wenn alle mitentscheiden? Kommen Einwände wirklich auf den Tisch oder werden sie wieder erst später an der Kaffeemaschine diskutiert? Und sind am Ende nicht diejenigen enttäuscht, deren Vorschlag nicht gewinnt? Vor allem die erste Frage hält viele vom gemeinsamen Entscheiden ab. ➜ MEHRHEITSENTSCHEIDUNGEN (z. B. Dot-Voting oder Handzeichen) sind schnell, lassen aber klare „Gewinner“ und „Verlierer“ zurück. Die Folge: Wer verloren hat, ist bei der a
Katja Paar


Arbeit und Demokratie
Einen großen Teil unserer Lebenszeit verbringen wir mit Erwerbsarbeit. Wenn wir dort keine Demokratie-Erfahrungen machen, wenn unsere Stimme nicht gehört wird, wenn wir diese soziale Praxis nicht üben, wenn dieser „Muskel“ verkümmert, dann leidet unsere Demokratiefähigkeit. Hier liegt ein unglaubliches Potenzial gegen die autoritäre Stimmung. Und ich bin wahnsinnig froh, dass sich mit diesem Thema so viele kluge Menschen beschäftigen. Die wunderbare Konferenz „Arbeit und D
Katja Paar


Macht vs. Miteinander
Egal ob Berlin oder Washington: Wenige machtorientierte Akteure setzen ihre Interessen durch, während die halbwegs gemeinschaftsorientierte Mehrheit passiv dabei zusieht. Damit arbeitet sie nicht nur hart an der Demontage der eigenen Ideale sondern stabilisiert auch unfreiwillig die Machtstrukturen der Egoisten. Der Soziologe Heinrich Popitz schildert dazu in „Prozesse der Machtbildung“ (1968) ein eingängiges Beispiel: Auf dem Sonnendeck eines Schiffs stehen weniger Liegest
Katja Paar


Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit
Für das was sich seit einiger Zeit immer stärker vor unseren Augen abspielt, gibt es eine Bezeichnung: Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Der Begriff wurde von Erziehungswissenschaftler Wilhelm Heitmeyer geprägt und beschreibt die Abwertung und Ausgrenzung von Menschen alleine deshalb, weil ihnen die Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe zugeschrieben wird. Alle Ausländer sind … Alle Homosexuellen sind … Alle Bürgergeldempfänger sind … Vor allem, wenn echte
Katja Paar


Marktförmiger Extremismus
Es wird ja in letzter Zeit viel über die sogenannten "Leistungsträger" geredet. Lustigerweise sind damit meist nicht unbedingt die Menschen gemeint, die durch ihre Leistung Gesellschaft tragen, sondern schlicht die, die viel Geld machen oder haben, egal, ob sie dabei viel leisten. Ich wollte hier mal auf die Gedanken dahinter eingehen. Warum Menschen, die nicht dem klassischen Bild des „Leistungsträgers“ entsprechen, immer häufiger abgewertet werden. Und warum die Abwertende
Katja Paar


Das Overton-Fenster – Gestern noch radikal, heute schon normal?
Wie schnell sich ein Diskurs verschieben kann, merken wir in letzter Zeit häufiger. Wie die Mechanismen dahinter in der Regel funktionieren, steht in der Grafik. Die Polarisierenden setzen dabei bewusst auf Tabubrüche, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und extreme Aussagen im Diskurs zu platzieren. Undenkbare Aussagen werden dabei häufig als “missverstanden” dargestellt. Durch die mediale Aufmerksamkeit werden die undenkbaren Positionen im Anschluss ständig wiederholt. Sie ersche
Katja Paar


Eine ko-kreative Mindmap
1934 führte der amerikanische Soziologe Theodore Fred Abel … … mit dem Einverständnis von Reichspropagandaminister Göbbels ein Preisausschreiben unter Mitgliedern der NSDAP durch. Er hatte zuvor vergeblich versucht, mit den Parteianhängern in Kontakt zu kommen und versprach sich von der Prämierung „der besten persönlichen Lebensgeschichte“ gehaltvolle Einblicke in die Gründe für den Aufstieg der Faschisten. Das Preisgeld von insgesamt 400 Reichsmark zahlte er aus eigener Ta
Katja Paar


Vielquatscher stoppen
Total anstrengend. So nehme ich Meetings mit Gesprächsmonopolisierer:innen wahr. Und da ich auch mal ganz gerne rede, wasche ich meinen Mund bestimmt nicht in Unschuld. Gleichmäßig verteilte Redeanteile sind wichtig für funktionierende Teams und gelten als ein Indikator für Psychologische Sicherheit: Wer es wagt, in der Gruppe etwas beizutragen, vertraut darauf, dass mit dem Beitrag konstruktiv umgegangen wird. Hier habe ich meine Lieblingshacks zum Ausbremsen von Talkahol
Katja Paar


"Nicht kritikfähig"
Das beziehen wir in der Regel auf Menschen, von denen wir denken, sie würden Kritik nicht ertragen. Dabei könnte man das Ganze genauso gut umkehren und die Bezeichnung auf diejenigen beziehen, die nicht fähig sind, sinnvoll und konstruktiv zu kritisieren. Bestes Beispiel dafür ist das Feedback-Sandwich, das oft mehr Schaden anrichtet als es Nutzen hat. Das Feedback-Sandwich hält sich hartnäckig und ist dabei vor allem für Feedback-Geber komfortabel. Wer eine wertschätzende F
Katja Paar


Wir haben keine Probleme, nur Herausforderungen!
Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich das schon gehört habe. Der Satz ist oft ironisch gemeint und wird mit einem verschmitzten Lächeln geäußert. Warum die Umbenennung des 𝘗𝘳𝘰𝘣𝘭𝘦𝘮𝘴 in 𝘏𝘦𝘳𝘢𝘶𝘴𝘧𝘰𝘳𝘥𝘦𝘳𝘶𝘯𝘨 gar nicht so schlau ist, kannst du in der Slideshow sehen. Lieber nur durchblättern, wenn du grundsätzlich der Ansicht bist, dass Sprache unser Mindset und damit unser Handeln beeinflussen kann. #collaboration #zusammenarbeit #workshops Dieser Beitrag
Katja Paar


Das NIH-Syndrom
Das NIH-Syndrom ist ein kognitiver Bias der mir oft begegnet ist und dessen Opfer ich sogar hin und wieder wurde. Mark Twain sagte dazu (sicher zu einem Zeitpunkt, da es den Terminus „NIH-Syndrom“ noch nicht gab): „Wie lange es dauert, bis ein Teil der Welt die nützlichen Ideen eines anderen Teils übernimmt, nimmt einen wunder und ist unerklärlich. Diese Form der Dummheit ist auf keine Gemeinschaft, keine Nation beschränkt; sie ist universell. Tatsache ist, dass die Menschen
Katja Paar


Schon wieder ein Workshop?
Kommt doch sowieso nichts dabei raus. In manchen Unternehmen hat es sich eingeschlichen, gerade besonders unvorbereitete Besprechungen oder dysfunktionale Meetings „Workshop“ zu nennen. Aber was ist eigentlich ein (guter) Workshop? #workshops #collaboration #team Dieser Post wurde zuerst auf Linkedin veröffentlicht
Katja Paar
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